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Ein Butler für den Lebensabend

In der gewohnten Umgebung leben können bis zum Lebensende – das wünschen sich die meisten Menschen. Doch oftmals kommt es anders, denn mit zunehmendem Alter lassen sich die Aufgaben des Alltags immer schwerer bewältigen. Doch nun scheint eine Lösung in Sicht, die es ermöglicht noch länger im eigenen zu Hause eigenständig und unabhängig zurechtzukommen. Ambiente Assisted Living (dt. „Leben mit behilflicher Umgebung“) soll Senioren das Leben erheblich zu erleichtern.

Jüngste Studien des statistischen Bundesamtes haben ergeben, dass im Jahr 2050 mehr als ein Drittel aller Deutschen über 65 Jahre alt sein wird. Allein aus diesem Grund wird es nötig sein älteren und behinderten Menschen eine möglichst lange Unabhängigkeit im Leben zu ermöglichen. Ambiente Assisted (AAL) Living hat dieses Ziel. Dies soll erreicht werden, indem Forscher modernste Elektronik im Umfeld der Senioren unterbringen.

Dadurch ist es möglich Räume mit Sensoren zu versehen, die die Aktivitäten einer Person messen. Darüber hinaus dient eine Uhr am Handgelenk sowohl als Notrufsystem für die Betroffenen sondern auch als Messgerät der Vitalwerte. Diese Werte können dann per Internet an die Angehörigen oder den Arzt übermittelt werden. So kann die Familie informiert werden, wie es um den geliebten Menschen steht.

„Ziel ist es, dass sich die Senioren nicht überwacht fühlen. Die Technik soll sie aber auch nicht fühlen lassen, dass sie alt und auf Unterstützung angewiesen sind“, erklärt Christine Weiß, Maschinenbau-Ingenieurin bei der VDI/VDE Innovation + Technik und zuständig für Koordination der Fördergruppen.

Sensoren für Senioren

Weitere Szenarien sind alltägliche Helfer, wie zum Beispiel eine Software, die prüft ob der Herd angeschaltet ist. Wenn dies der Fall ist fragt der Computer die Person, die zuletzt am Herd war, ob dieser noch gebraucht wird. Wenn keine menschliche Reaktion erfolgt, schaltet die Software den Herd automatisch ab. Zudem kann AAL auch an andere Systeme, wie einem Bewegungsmelder oder einem Wasserzähler, angebunden werden
und durch diese Daten zusätzliche Informationen liefern.

„Für einen Arzt ist es leichter den Zustand eines Patienten einzuschätzen, wenn er weiß ob er genug trinkt, isst und aktiv ist“, erklärt Andreas Hein vom Department für Informatik an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. „Zwar ist es einem Hausarzt anhand des Wasserzählers nicht möglich zu sagen, ob der ältere Mensch das Wasser trinkt oder es anders verwendet. Wenn sich aber der Wasserzähler den ganzen Tag nicht
verändert, dann könnte das ein Alarmzeichen sein“, sagt Hein.

Das Projekt AAL wurde von 950 Unternehmen und Institutionen aus aller Welt ins Leben gerufen. Neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem Fraunhofer Institut sind 30 weitere deutsche Forschungsgruppen beteiligt. Insgesamt werden Kosten von 370 Millionen Euro erwartet. 125 Millionen werden in den kommenden drei Jahren vom BMBF bereitgestellt.

Experten gehen davon aus, dass das Ambient Assisted Living bereits ab 2020 medizinischer Standard in Deutschland sein könnte. Allerdings müssen die Senioren mit dem System erst einmal vertraut gemacht werden. „Die Technik sollte leicht zu verstehen und zu bedienen sein“, sagt Ursula Lehr, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. „Die meisten älteren Menschen wissen nicht einmal, dass es dieses System überhaupt gibt“, so Lehr weiter.

Um in Zukunft eine reibungslose Vernetzung der Systeme zu garantieren, soll nächsten Monat über einheitliche Normen diskutiert werden, damit sich die Entwicklung nicht selbst im Weg steht.

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